Geldanlagen

5% Zin­sen: Und zwar für alle!

Eine äußerst geschmack­vol­le Vor­stel­lung: 5% Zin­sen aufs Spar­buch – und zwar für alle! So schnell wie der Vor­stoß des baden-würt­tem­ber­gi­schen Spar­kas­sen­prä­si­den­ten Peter Schnei­der erhallt, ver­stummt sei­ne For­de­rung auch schon wie­der!

Mit sei­nem jüngs­ten Auf­ruf Anfang Febru­ar will sich Herr Schnei­der für alle Spa­rer stark machen, so scheint es!
Der Staat soll nach sei­nen Vor­stel­lun­gen des Deut­schen liebs­te Spar­form – das Spar­buch – mit einer Art Spar­prä­mie zu einem neu­en Glanz ver­hel­fen.

„Ein sol­ches Pro­dukt wür­de Spa­ren wie­der deut­lich attrak­ti­ver machen.“ (Peter Schnei­der, Pres­se­mit­tei­lung der JPK vom 02.02.2015, Spar­kas­sen­ver­band Baden-Würt­tem­berg)

Das alles hört sich im ers­ten Augen­blick sehr fas­zi­nie­rend an. Ich gebe zu, dass auch mei­ne Augen und Syn­ap­sen für den Hauch eines Augen­blicks über­aus ver­zückt waren: Immer­hin geht es um 5% Zin­sen! 5 Pro­zent! Wor­auf eigent­lich?

Mein Kom­men­tar

Iso­liert betrach­tet wird Idee von Hr. Schnei­der eine respek­ta­ble Anhän­ger­schaft fin­den. Die Gegen­strö­mung ist hof­fent­lich genau­so groß. Mög­li­cher Wei­se die­nen sei­ne Aus­füh­ren gera­de dazu, sich erneut mit der welt­wei­ten Finanz­markt­kri­se aus­ein­an­der zu set­zen. Und sich vor allem die Fra­ge zu stel­len: Wer hat­te feder­füh­rend – getrie­ben durch Maß­lo­sig­keit und man­geln­de Selbst­kon­trol­le – die Stei­ne ins Rol­len gebracht?

Prä­mi­en­spa­ren mit Zwangs­cha­rak­ter

Lei­der ent­puppt sich der Vor­schlag von Hr. Schnei­der – für mein Dafür­hal­ten – eher als eine erneu­te Art der Ban­ken­si­che­rung für Spar­ein­la­gen.
Der maxi­ma­le för­der­fä­hi­ge Betrag soll auf 100 Euro mtl. gede­ckelt sein. Der wei­te­re Blick offen­bart, dass die 5% Zin­sen nicht pro Jahr, son­dern am Ende einer sie­ben­jäh­ri­gen „Hal­te­dau­er“ aus­ge­zahlt wer­den sol­len; in Anleh­nung an die Arbeit­neh­mer­spar­zu­la­gen (gem. VermBG).

„Außer­dem wird durch die Lauf­zeit von 7 Jah­ren unter­stri­chen, dass es beim Spa­ren immer auch um einen mit­tel- bis lang­fris­ti­gen Auf­bau von Ver­mö­gen geht.” (Peter Schnei­der, Pres­se­mit­tei­lung der JPK vom 02.02.2015, Spar­kas­sen­ver­band Baden-Würt­tem­berg)

Dar­aus resul­tiert eben jene Zins­zah­lung von 420 Euro nach 7 Jah­ren (7 x 1.200 Euro p.a. = 8.400 Euro / 100 x 5% = 420 Euro Zin­sen).
Wel­cher Per­so­nen­kreis (Stich­wort: Ein­kom­mens­gren­zen) tat­säch­lich in den Genuss der Spar­prä­mie kom­men könn­te, lässt Hr. Schei­der offen.

Wer soll es bezah­len: Wir Steu­er­zah­ler?

Ein­mal abge­se­hen davon, dass Hr. Schnei­der zum Glück kein Gehör beim Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter gefun­den hat, ist mei­ne Irri­ta­ti­on zum The­ma eine ganz ande­re.
War­um soll erneut die Soli­dar­ge­mein­schaft für die Ver­ant­wor­tung der Ban­ken ein­ste­hen? Ist es nicht an der Zeit anzu­er­ken­nen, dass das Ver­trau­en in Geld- bzw. Kapi­tal­an­la­gen im Wesent­li­chen durch Ban­ken zer­stört wur­de?!

Irgend­wann schwin­det jede Eupho­rie: Aber wohin mit dem Geld?

Spar­bü­cher gehö­ren mei­ner Mei­nung nach ohne­hin ins Muse­um. Sie bie­ten kei­ne Fle­xi­bi­li­tät – es kön­nen max. 2.000 Euro im Monat ohne Zins­ver­lust abge­bucht wer­den und für grö­ße­re Beträ­ge besteht eine drei­mo­na­ti­ge Kün­di­gungs­frist – und von Erträ­gen ganz zu schwei­gen. Gegen­wär­tig lan­cie­ren die Zin­sen aufs Gut­ha­ben zwi­schen 0,05% und 0,5% p.a.
Als ein­zig sinn­vol­le Alter­na­ti­ve zum Spar­buch erscheint mir – ins­be­son­de­re um Rück­la­gen für den Defekt am Auto, die neue Wasch­ma­schi­ne oder für die geplan­te Urlaubs­rei­se zu bil­den – das Tages­geld­kon­to. Dort genießt man vol­le Fle­xi­bi­li­tät und einen durch­schnitt­lich dop­pelt so hohen Zins­satz wie beim Spar­buch.

Fazit

Die Idee einer Art Prä­mie fürs Spa­ren fin­de ich per se Klas­se. Wer nicht?!
Aber war­um adres­siert Hr. Schnei­der sei­nen Vor­stoß zum Prä­mi­en­spa­ren denn nicht direkt an sei­ne Kol­le­gen in den Vor­stands­eta­gen?
Wenn ich mich recht ent­sin­ne wur­den Ban­ken – denen eine Sys­tem­re­le­vanz zuge­schrie­ben wird – bereits mit Steu­er­gel­dern in Mil­li­ar­den­hö­he ver­sorgt, um sie zu ret­ten.
Jeden­falls hal­te ich den Schrei nach Geld vom Staat als völ­lig fal­sches Signal und erst recht einen Schlag ins Gesicht für jeden (Klein)Sparer. Die Ver­ant­wort­lich­keit für Geschen­ke an Kun­den bleibt in die­sem Zusam­men­hang allei­ne bei den Ban­ken.

Für wei­te­re Fra­gen hin­ter­las­sen Sie mir bit­te am Ende des Bei­trags einen Kom­men­tar oder Sie ver­ein­ba­ren direkt ein kos­ten­frei­es Erst­ge­spräch. Alter­na­tiv kön­nen Sie sich per Direkt­nach­richt (oder Mit­tels Kon­takt­for­mu­lar) mit mir in Ver­bin­dung set­zen.

In jedem Fall erhal­ten Sie schnellst mög­lich eine Ant­wort von mir.

Mit den bes­ten Grü­ßen
Chris­ti­an Ulrich LL.B., M.A.

Tags: 5% Zinsen, Peter Schneider, Populismus, Sparbuch, Sparkasse

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